Was der Canonical-Tag ist
Der Canonical-Tag ist ein <link rel="canonical">-Element im <head> einer Seite. Er nennt die URL, die eine Suchmaschine als maßgebliche Fassung eines Inhalts behandeln soll, wenn derselbe oder fast derselbe Inhalt unter mehreren Adressen erreichbar ist. Google hat das Element am 12. Februar 2009 eingeführt, im April 2012 wurde es als RFC 6596 bei der IETF beschrieben.
Was dabei passiert, beschreibt Google in seiner Erklärung zur Kanonisierung: Findet Google mehrere Seiten mit sehr ähnlichem Hauptinhalt, fasst es sie zu einem Cluster zusammen und wählt eine davon als kanonisch aus. Diese Seite wird am häufigsten gecrawlt und ist die Hauptquelle, aus der Google Inhalt und Qualität bewertet. Die Duplikate werden seltener besucht. Signale wie Links auf die Duplikate rechnet Google der kanonischen URL zu, sobald diese gewählt ist.
Wichtig für die Einordnung: Doppelte Inhalte innerhalb einer Website sind laut Google normal und kein Verstoß gegen die Spamrichtlinien. Es gibt keine Abstrafung, die ein Canonical abwenden müsste. Es geht um Ordnung: welche Adresse in den Suchergebnissen steht, wohin die Linksignale fließen und wofür der Crawler seine Zeit verwendet.
Kernfakten
- Das Canonical ist ein Hinweis. Google kann eine andere URL wählen.
- Weiterleitungen und
rel="canonical"sind starke Signale, die Sitemap ist ein schwaches. - Jede Seite einer Paginierung bekommt ihr eigenes Canonical, nicht das der ersten Seite.
- Für Filter- und Sortier-URLs empfiehlt Google eher robots.txt oder
noindex. - Welche URL Google tatsächlich gewählt hat, zeigt die URL-Prüfung in der Search Console.
Hinweis, keine Anweisung: die Signale hinter Googles Auswahl
In seiner Anleitung zur Angabe kanonischer URLs nennt Google drei Wege, die bevorzugte Adresse mitzuteilen, und reiht sie nach ihrer Wirkung:
| Signal | Stärke laut Google | Wann es passt |
|---|---|---|
| Permanente Weiterleitung (301, 308) | stark | Die doppelte URL soll verschwinden, niemand braucht sie mehr |
rel="canonical" als HTML-Element oder HTTP-Header | stark | Die Variante soll für Besucher erreichbar bleiben |
| Eintrag in der XML-Sitemap | schwach | Ergänzend; nur kanonische URLs gehören hinein |
Dazu kommen zwei Signale, die Google aus dem Aufbau der Website liest: HTTPS wird gegenüber HTTP bevorzugt, und URLs, die Teil eines hreflang-Clusters sind, haben Vorrang vor Varianten außerhalb davon. Ein weiteres Signal sind die internen Links. Google bittet ausdrücklich darum, innerhalb der Website immer auf die kanonische URL zu verlinken.
Die Signale addieren sich. Wer ein Canonical setzt, nur die kanonische URL in die XML-Sitemap schreibt und intern nur sie verlinkt, macht es Google leicht. Wer im Canonical die eine und in der Sitemap die andere URL angibt, macht es Google schwer, und genau das untersagen Googles Best Practices.
Braucht jede Seite ein Canonical?
Streng genommen nicht. Google schreibt selbst, dass eine Website auch ohne jede Angabe gut zurechtkommt, weil Google dann eben selbst die beste Fassung wählt. Empfohlen ist trotzdem ein selbstreferenzierendes Canonical auf jeder kanonischen Seite, also ein Verweis der Seite auf sich selbst. Der Aufwand ist gering, und es fängt die Fälle ab, an die niemand gedacht hat: angehängte Tracking-Parameter aus Newslettern, Großschreibung in der URL, ein Schrägstrich am Ende oder nicht.
Rechenbeispiel: Wie aus einer Kategorie 308 URLs werden
Ein Schuhshop bietet in der Kategorie Damenschuhe drei Bedienelemente an: einen Farbfilter mit 6 Farben, einen Größenfilter mit 10 Größen und 4 Sortierungen (Empfehlung, Preis aufsteigend, Preis absteigend, Neuheiten). Jede Auswahl hängt einen Parameter an die URL. Darf jeder Filter leer bleiben oder genau einen Wert haben, ergibt das:
| Baustein | Möglichkeiten | Rechnung |
|---|---|---|
| Farbe (6 Werte oder keine Auswahl) | 7 | 6 + 1 |
| Größe (10 Werte oder keine Auswahl) | 11 | 10 + 1 |
| Sortierung | 4 | 4 |
| URLs für eine Kategorie | 308 | 7 × 11 × 4 |
| URLs bei 40 Kategorien | 12.320 | 308 × 40 |
| davon gewollte Kategorie-URLs | 40 | ohne Filter, Standardsortierung |
Eigene Rechnung. Mehrfachauswahl bei den Farben, Tracking-Parameter und Seitenzahlen vervielfachen die Zahl weiter.
Von 12.320 möglichen Adressen sind 40 die, die in den Index sollen, gut 0,3 Prozent. Ein Canonical auf jeder Variante, das auf die ungefilterte Kategorie zeigt, regelt zwar, welche URL im Index landet. Es spart aber kaum Crawling: Um das Canonical zu lesen, muss Google die Variante erst abrufen. Google schreibt in seiner Anleitung zur Filternavigation deshalb, dass Canonical und nofollow das Crawling solcher URLs mit der Zeit zwar verringern können, auf Dauer aber weniger wirksam sind als eine Sperre per robots.txt oder Filter in URL-Fragmenten (#farbe=rot).
Die Ausnahme sind Filterkombinationen, nach denen tatsächlich gesucht wird, etwa „rote Sneaker Damen“. Die verdienen eine eigene, indexierbare Seite mit sauberer URL, eigenem Titel und Text und einem Canonical auf sich selbst.
Welches Werkzeug für welches Duplikat
Das Canonical ist nur eines von mehreren Mitteln, und für manche Fälle das falsche. Für die häufigsten Duplikat-Ursachen nennt Googles Dokumentation unterschiedliche Lösungen:
| Fall | Beispiel | Mittel der Wahl |
|---|---|---|
| Protokoll- und Hostvarianten | http://, www., /index.html | 301-Weiterleitung auf die Hauptvariante |
| Tracking- und Kampagnenparameter | ?utm_source=newsletter, ?gclid=… | Canonical auf die URL ohne Parameter |
| Sortierung und Filter ohne Suchnachfrage | ?sort=preis, ?farbe=rot&groesse=39 | robots.txt-Sperre oder noindex, Canonical nur zweite Wahl |
| Paginierung | ?page=2, ?page=3 | Jede Seite mit Canonical auf sich selbst |
| Gleicher Inhalt als PDF oder Word-Datei | /leitfaden.pdf neben /leitfaden/ | Canonical im HTTP-Header der Datei |
| Sprachversionen | /de/, /en/ | hreflang plus Canonical je Sprache auf sich selbst |
| Regionale Varianten in derselben Sprache | /de-at/, /de-de/ | hreflang und Canonical gemeinsam |
| Übernahme durch Partnerseiten | Fachartikel erscheint auch auf einem Partnerportal | Partner sperrt die Indexierung mit noindex |
Quellen: Google Search Central zu kanonischen URLs, Paginierung und Kanonisierungsproblemen.
Zwei Zeilen widersprechen verbreiteten Ratschlägen. Bei der Paginierung zeigen viele Shops von Seite 2, 3 und 4 aufs Canonical der ersten Seite. Google rät ausdrücklich davon ab, und schon RFC 6596 nennt den Grund: Seite 3 ist kein Duplikat von Seite 1, ihre Produkte stehen dort gar nicht. Wer so verweist, riskiert, dass die Inhalte der Folgeseiten nicht verarbeitet werden. Und bei Partnerportalen empfiehlt Google kein domainübergreifendes Canonical, weil sich die Seiten oft stark unterscheiden. Wirksamer ist ein noindex auf der Kopie.
Die Verweise rel="next" und rel="prev", die früher für Paginierung empfohlen wurden, wertet Google nicht mehr aus. Schaden tun sie nicht, andere Suchmaschinen können sie weiter nutzen.
Richtig einbauen: HTML-Element und HTTP-Header
Für HTML-Seiten steht das Element im <head>, auf jeder Variante und als Selbstverweis auf der kanonischen Seite selbst:
<head>
<title>Damenschuhe online kaufen</title>
<link rel="canonical" href="https://www.example.at/damenschuhe/">
</head>
Für Dateien ohne <head>, etwa PDF oder Word, sendet der Server die Angabe als HTTP-Header. Ein PDF, dessen Inhalt auch als HTML-Seite existiert, verweist so auf die Seite:
Link: <https://www.example.at/leitfaden/>; rel="canonical"
Fünf Regeln aus Googles Dokumentation, die beim Einbau zählen:
- Absolute URLs. Relative Pfade wie
/damenschuhe/versteht Google zwar, rät aber davon ab: Wird etwa eine Testumgebung versehentlich crawlbar, zeigen ihre Canonicals plötzlich auf sich selbst statt auf die Live-Seite. - Nur im
<head>, und der muss gültig sein. Ein Canonical im<body>wird ignoriert. Steht im<head>ein ungültiges Element wie<img>oder<iframe>, nimmt Google dort laut seiner Vorgaben zu Seiten-Metadaten das Ende des Kopfbereichs an und liest alles danach nicht mehr, auch kein Canonical. - Eine Methode, eine URL. HTML-Element und HTTP-Header gleichzeitig sind erlaubt, aber fehleranfällig. Zwei verschiedene Canonicals auf einer Seite, typisch bei CMS plus SEO-Plugin, führen laut Google zu unvorhersehbaren Ergebnissen.
- JavaScript ändert nichts. Am besten steht das Canonical im ausgelieferten HTML, und kein Skript fasst es danach an. Geht das nicht, lässt man es im HTML weg und setzt es ausschließlich per JavaScript, damit es nur einen Wert gibt.
- Gleiche Sprache. Bei mehrsprachigen Seiten zeigt das Canonical auf eine Seite in derselben Sprache. Ein englisches Canonical auf der deutschen Fassung widerspricht dem hreflang-Verweis.
Ein CMS wie WordPress setzt das Element meist selbst oder über eine Erweiterung. Prüfen lässt sich das Ergebnis im Seitenquelltext: Genau ein rel="canonical" sollte dort stehen, mit vollständiger https-URL.
Fehler, die das Canonical aushebeln
| Fehler | Was passiert |
|---|---|
| Das Ziel des Canonicals leitet per 301 weiter, liefert 404 oder hat selbst ein Canonical auf eine dritte URL | Laut RFC 6596 dürfen Suchmaschinen eine solche Kette ignorieren und nach eigenen Regeln entscheiden |
| Die doppelte URL ist per robots.txt gesperrt | Google kann sie nicht abrufen und sieht das Canonical nie; die URL kann trotzdem ohne Inhalt im Index landen |
noindex statt Canonical, um innerhalb der Website eine Fassung auszuwählen | Google rät davon ab, weil noindex die Seite komplett aus der Suche nimmt |
| Sitemap und Canonical nennen verschiedene URLs | Widersprüchliche Signale, Google entscheidet selbst |
| Interne Links zeigen auf die Varianten statt auf die kanonische URL | Das stärkste Alltagssignal der Website widerspricht dem Tag |
| Canonical ohne Selbstverweis auf der kanonischen Seite | Parameter-Varianten der Hauptseite haben keinen Hinweis, wohin sie gehören |
| Fremdes Canonical auf eine unbekannte Domain im Quelltext | Laut Google ein Muster bei gehackten Websites; Google kann dann die fremde URL wählen |
Der letzte Punkt klingt exotisch, ist aber ein Grund, das Canonical regelmäßig zu kontrollieren. Ein Angriff, der nur ein Element im <head> oder einen HTTP-Header verändert, fällt beim Betrachten der Seite im Browser niemandem auf.
Prüfen in der Search Console
Welche URL Google tatsächlich gewählt hat, zeigt die URL-Prüfung in der Google Search Console. Unter „Seitenindexierung“ stehen zwei Felder nebeneinander: „Vom Nutzer angegebene kanonische URL“ und „Von Google ausgewählte kanonische URL“. Stimmen sie nicht überein, hat Google anders entschieden.
Für die ganze Website liefert der Bericht zur Seitenindexierung drei Status, die mit Kanonisierung zu tun haben:
| Status in der Search Console | Bedeutung | Handlungsbedarf |
|---|---|---|
| Alternative Seite mit richtigem kanonischen Tag | Die Seite verweist korrekt auf eine indexierte kanonische Seite | keiner |
| Duplikat - vom Nutzer nicht als kanonisch festgelegt | Google hält die Seite für ein Duplikat, es gibt kein Canonical, Google hat selbst gewählt | nur, wenn Googles Wahl falsch ist |
| Duplikat - Google hat eine andere Seite als der Nutzer als kanonische Seite bestimmt | Ein Canonical ist gesetzt, Google ist ihm nicht gefolgt | Signale prüfen |
Beim dritten Status lohnt zuerst eine ehrliche Frage, die auch Google in seinem Leitfaden zur Fehlerbehebung stellt: Ist Googles Wahl für Suchende vielleicht die bessere? Wenn nicht, sind die üblichen Ursachen ein falsch konfiguriertes CMS, widersprüchliche Signale wie eine abweichende Sitemap oder interne Links auf Varianten, oder Seiten, die sich inhaltlich zu wenig unterscheiden. Nach einer Korrektur kann Google Seiten laut eigener Angabe bis zu zwei Wochen im alten Duplikat-Cluster halten. Je deutlicher sich die Inhalte unterscheiden, desto schneller lösen sie sich. Meist steckt dahinter dieselbe Ursache wie bei Duplicate Content allgemein: URL-Varianten, Parameter und CMS-Einstellungen, die niemand bewusst gewählt hat.
Fragen zum Canonical-Tag
Canonical oder 301-Weiterleitung?
Die Weiterleitung, wenn die doppelte URL niemand mehr braucht, etwa bei http und www. Das Canonical, wenn die Variante für Besucher erreichbar bleiben muss, etwa eine Kampagnen-URL mit Parametern oder eine Druckfassung.
Gibt das Canonical Backlinks weiter?
Laut Google werden Signale wie Links von anderen Websites auf die Duplikate mit denen der kanonischen URL zusammengeführt, sobald Google diese als kanonisch wählt. Folgt Google dem Canonical nicht, landen die Signale bei der URL, die Google gewählt hat.
Darf das Canonical auf eine andere Domain zeigen?
Technisch ja, RFC 6596 sieht das ausdrücklich vor. Für Inhalte, die Partner übernehmen, empfiehlt Google aber kein domainübergreifendes Canonical, sondern ein noindex auf der Partnerseite.
Wie schnell wirkt eine Änderung?
Erst wenn Google beide Seiten neu gecrawlt hat. Für wichtige URLs lässt sich das über „Indexierung beantragen“ in der URL-Prüfung anstoßen; die Funktion ist kontingentiert. Bei Duplikat-Clustern nennt Google bis zu zwei Wochen.